DIY-Projekt „Bagalute“

Ein Selbstbau-Boot auf Jungfernfahrt

Claudius Schulze hat ein Boot gebaut – ohne einen Schimmer von Statik, Verdrängungsphysik oder Motorenwartung. Das Wissen kommt aus Internet-Tutorials, die Power von Freunden. Nach langen Monaten in der Freiluft-Werft in Wilhelmsburg wurde die „Bagalute“ jetzt zu Wasser gelassen. Ein Gespräch nach der Jungfernfahrt.

Autor

Kim-Lara Oswald

Kim-Lara Oswald lebt seit zwei Jahren in Hamburg und weigert sich, einen Regenschirm zu kaufen.

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Fotos: Kevin McElvaney

Du hast dein selbst gebautes Boot zu Wasser gelassen – wie lief’s?

Es hat alles super funktioniert, ging schneller als gedacht. Ding rein und fertig. Ich war unfassbar erleichtert. Es war natürlich nochmal richtig viel Stress alles rechtzeitig fertig zu bekommen, denn der Kran war ja bestellt. Dann sind wir zum Test ein Mal quer durch das Hafenbecken gefahren, haben festgemacht und eine Flasche Sekt geköpft. Also noch keine große Rundfahrt.

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Du hast einige Monate auf diesen Tag hingearbeitet, was ging in den paar Minuten Kranfahrt in dir vor?

Ich hatte ziemlich Schiss, dass das schief geht – aber auch keine Ahnung, was oder wie es schiefgehen könnte. Die Gefahren waren natürlich, dass das Boot nicht so schwimmt, wie es sollte, dass es schief im Wasser liegt oder Wasser eintritt. Oder, dass es beim Reinheben zerbricht.

Die Bagalute schwimmt und jetzt startet der Innenausbau – deine Zwischenbilanz?

Ich habe mir damit schon einiges zugemutet, der Bootsbau ist ein riesiges Unterfangen. Statik, Verdrängungsphysik, Motorenwartung – Dinge, von denen ich keinen blassen Schimmer hatte. Alleine wäre das nicht möglich gewesen: Über Facebook habe ich zum gemeinsamen Tüfteln und Schrauben eingeladen und dann gab es den engen Kreis, ungefähr zehn Freunde, die sehr oft hier raus auf die Baustelle kamen. Ein Freund von mir ist Baustatiker, der hat alles für mich durchgerechnet, damit das Zeug auch hält und nicht auseinanderbricht. Ein anderer Physiker. Letztendlich ist die Bagalute nach gesundem Menschenverstand geplant und gebaut worden – und ohne Regeln. Es hat jeder für sich einen großen Teil dazu beigetragen.

Triff Claudius Schulze

Der Bootsbauer

Viele deiner Helfer sind nach dem Feierabend oder am Wochenende zu dir in die Freiluft-Werft nach Wilhelmsburg gekommen. Wie hast du sie geködert?

Das musste ich kaum. Es hat einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht. Der Bauplatz am Hafenmuseum in Wilhelmsburg ist wunderschön und ein guter Ausgleich zum schnöden Bürojob. Gemeinsam zu bauen und etwas zu schaffen – das macht schon richtig viel Bock. Wir waren eine nette, lustige Truppe und jetzt fahren wir bald gemeinsam über Hamburgs Gewässer.

Was wurde aus deiner Idee, ein Boot für 500 Euro und größtenteils aus Müll zu bauen?

Eine Weihnachts-Schnapsidee. Denn je weiter die Idee gediehen ist, desto größer wurden die Pläne und dementsprechend auch die Kosten. Teilweise ist das Budget auch ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. In der ersten Kalkulation hatte ich zum Beispiel komplett vergessen, Schrauben einzurechnen. Am Ende habe ich über tausend Euro für Schrauben ausgegeben. Man denkt, Schrauben sind ja so klein. Für ein Boot braucht man aber ziemlich viele.

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Mehr über Claudius und sein Community-Boat gibt's in der ersten Ausgabe von „gentle rain“ zu lesen: www.gentlerainmag.com

Dem Stadtmagazin gentle rain hast du verraten, dass aus der Bagalute auch ein Kulturort für Erzählsalons und Tanz werden soll – was planst du noch?

Was ich in der Zukunft mit dem Boot mache, weiß ich noch nicht so wirklich im Detail. Für den Anfang ist die Bagalute für Hamburg und den Hamburger Hafen gedacht. Aber am Wochenende mal Richtung Dove Elbe zu fahren wäre toll. Das ganze Projekt war ja immer ein Schritt nach dem anderen. Ein großer Schritt war es, das Boot aufs Wasser zu bekommen. Und das hat geklappt.

Vielen Dank für das Gespräch und ahoi!