Ein Floß namens Schaluppe

Kunst und Kultur auf Hamburgs Flüssen

Es tut sich was auf Elbe und Bille: Kunst- und Kulturprojekte erobern die Gewässer Hamburgs, mit Booten, Flößen und schwimmenden Archipelen. Autorin Lena Frommeyer hat Christian Willert getroffen, der mit dem Verein für mobile Machenschaften gerade am Riesenfloß Schaluppe baut.

Autor

Lena Frommeyer

Lena Frommeyer ist Journalistin, die in gesellschaftlichen Nischen nach Themen sucht und sich in der Kulturlandschaft herumtreibt.

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Fotos: Claudius Schulze

Um Christian Willert herum schaukeln Boote aller Art: Kleine Yachten mit Kajüte, schnelle Daycruiser und ein umgebauter Schlepper, der jetzt als Wochenendhaus funktioniert. Doch der ist nicht das exotischste Gefährt im Yachthafen der Billwerder Bucht in Hamburgs Osten. Direkt daneben liegt ein gigantisches Floß namens Schaluppe, knapp 15 Meter lang und 5 Meter breit. Der Verein für mobile Machenschaften baut diesen schwimmenden Freiraum für Kunst und Kultur – für Kino auf Hamburgs Kanälen, Theater auf den südlichen Elb-Ausläufern, regionale Kreuzfahrten und Partys auf dem Wasser. Das sind nur einige Ideen für das Floß für alle – nur ist bis zur Jungfernfahrt Anfang Mai noch einiges zu tun.

„Wir sind seit zehn Monaten dabei“, sagt Christian und zeigt seine technischen Zeichnungen am Laptop. Der gebürtige Hamburger absolviert gerade seinen Master in Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Harburg. Zusammen mit dem Nautiker Nils Moje entwarf er das hydraulische Oberdeck der Schaluppe – um auf Hamburgs Kanälen unter niedrigen Brücken hindurchzupassen, muss es klappbar sein. Die Freunde arbeiten in einem bunten Team: „Wir haben Erlebnispädagogen, Schiffsbauingenieure, Sozialarbeiterinnen, Zimmermänner und Eventmanagerinnen an Bord“, so Christian – „und alle haben Bock auf Basteln“.

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Christian hat die technischen Zeichnungen für das Kultur-Floß angefertigt. Seit zehn Monaten bauen sie an dem schwimmenden Freiraum für Kunst und Kultur.

Ideen schmieden in der Sauna

Seine Wurzeln hat Projekt auf der grünen Elbinsel Wilhelmsburg im Süden Hamburgs. Viele der Beteiligten wohnen dort, gerade sucht das Kollektiv auch einen dauerhaften Liegeplatz vor Ort. Wilhelmsburg ist in den letzten Jahren Heimat für eine Reihe kreativer Projekte geworden. Da gibt es die Gemeinschaftswerkstätten in der Honigfabrik und das luftig-grüne Gelände des Dockville-Festivals, das gerade noch im Winterschlaf liegt. In den ehemaligen Zinnwerken arbeiten heute Journalisten, Filmemacher und Handwerker, einmal im Monat stöbern Wilhelmsburger und Gäste auf dem Kulturflohmarkt Flohzinn. Und seit drei Jahren kann man auf der Elbinsel auch sehr gut schwitzen – in der knapp neun Meter langen Wohnwagen-Sauna namens Zunderbüchse.

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"Alle haben Bock auf Basteln."

In ebendieser hörte Christian auch erstmals von den Plänen zum Floßbau, der erste Bauplatz der Schaluppe lag nicht weit entfernt in einem Industriegebiet. Er war sofort begeistert und half dabei, ein Crowdfunding-Video zu drehen. Der Verein sammelte in kurzer Zeit 20.000 Euro. Seitdem fliegen die Metall- und Sägespäne. Im Spätsommer 2016 zerplatzte schließlich zur Schiffstaufe eine Sektflasche an den roten Schwimmkörpern, seitdem liegt die Schaluppe im Wasser – und wird nun in der Billwerder Bucht fertiggebaut.

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Das Schaluppen-Team ist bunt: „Wir haben Erlebnispädagogen, Schiffsbauingenieure, Sozialarbeiterinnen, Zimmermänner und Eventmanagerinnen an Bord“, so Christian.

Mit fünf anderen Helfern hievt Christian die schweren Balken des Oberdecks auf das stählerne Gerüst. Vor der Schaluppe wird derweil Metall und Holz geschliffen. Wenn die Geräte verstummen, hört man elektronische Musik aus den Boxen an Deck. Gut gelaunt arbeitet die Crew an ihrer gemeinsamen Vision von Kultur auf dem Fluss.

Boote werden zu Bühnen für Musik und Theater

In Berlin eroberte mit der Anarche ein ähnliches Projekt die Spree. „Der Hamburger Hafen wird aber bisher eher als Wirtschaftsplatz gesehen und weniger als Ort für die Kultur“, sagt Christian. Eine Reihe von Akteuren machen sich gerade daran, den Blick auch in diese Richtung zu öffnen, zum Beispiel die schwimmende Plattform Archipel und das Kulturboot Bagalute. Sie alle bekommen viel Aufmerksamkeit – auch der Verein für mobile Machenschaften hat schon erste Anfragen für den Sommer. Die Schaluppe soll zu einer schwimmenden Bühne für das Musikfestival Wutzrock an der Elbe werden, und auch ein Teil des Bühnen-Großereignis Theater der Welt, das im Frühjahr und Sommer insbesondere den Hafen in den Blick nimmt.

Christian freut sich vor allem auf die ruhigen Tage an Bord. „Wir fahren dann entspannt in den Abend hinein, vielleicht auf die gemütliche Dove Elbe, mit Musik an Bord und Leuten, die einfach nur mit uns abhängen.“ Dann hat sich die Arbeit gelohnt.

Wer beim letzten Bauabschnitt mithelfen möchte, kann sich per Mail an den Verein für mobile Machenschaften wenden: freiwillige@mobilemachenschaften.de

Mehr über die Schaluppe und andere Projekte erfahrt ihr hier:
www.mobilemachenschaften.de