Kniffeln mit Evi

Ein Abend im Seeteufel

Seeteufel Titel

Evelyn Subbert – kurz „Evi“ – wurde auf der Insel Rügen geboren. Die heute 59-Jährige wuchs in der DDR auf und floh, bevor die Mauer fiel. Ihre Spelunke „Seeteufel“ an der Elbchaussee 4 ist ein Hafen für Seefahrer, Hockey-Spieler und junge Wohngemeinschaften aus der Nachbarschaft.

Autor

Malte Brenneisen

Malte Brenneisen ist Journalist, Dozent und Mitherausgeber des Stadtmagazins "gentle rain".

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Fotos: Roeler

Evi, kannst du Kniffeln?

Wir knobeln hier oder spielen Skat. Aber leg mal los. Ich bin für jeden Spaß zu haben.

Es heißt, dass man sich den Platz an deiner Theke verdienen muss. Touris und Reinspazierer guckst du dir erst einmal genauer an. Wer muss draußen bleiben?

Die mit Rucksäcken. Ich hasse Rucksäcke. Grausam! Bei mir ist es so eng wie im Flugzeug. Hier geht nur begrenztes Handgepäck. Eine Pufftasche ist okay, aber nicht zu groß. Es sei denn, du bist Zuhause rausgeflogen. Auf den Tisch gehören volle Gläser, Aschenbecher, Zigaretten und vielleicht noch n’ nackter Frauenarsch. Da ist kein Platz für Rucksäcke.

Hier drinnen ist es urig: Gallionsfiguren, Haifischköpfe, alte Seekarten und Fischernetze – zwischen deinen Wandschmuck passt kein Strohhalm mehr. Was ist dein liebstes Stück?

Die Rügen-Karte über dem Lokus. Die habe ich von meinem verstorbenen Thekenfreund Thies bekommen. Sie erinnert mich an die Heimat.

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Evi steht seit knapp 30 Jahren hinter dem Tresen vom Seeteufel.

Hältst du dich nicht für eine Hamburgerin?

Ich bin eigentlich 'n Zoni von Rügen. Als ich nach Hamburg kam, wurde ich krank – Haarausfall und so. Später hab’ ich gemerkt, dass das kam, weil ich die Ostsee vermisst hab’. Mir fehlte einfach das Meeresrauschen. Die Elbe war damals für mich nur ein Fluss. Heute ist das alles eins: Nordsee, Ostsee oder Elbe. Ich kann einfach nicht ohne Wasser.

Was macht für dich einen guten Abend im Seeteufel aus?

Ein guter Abend im Seeteufel braucht tolle Menschen unterschiedlicher Herkunft. Meine Gäste sind zwischen 20 und 90 Jahren alt. Egal ob sie grün, gelb oder schwarz aussehen, verstehste? Miteinander sabbeln, nicht ständig aufs Handy gucken, sondern sich unterhalten, sich noch was zu sagen haben, das macht einen guten Abend aus!

In Altona bist du ein bekannter Paradiesvogel. Es kommt vor, dass du in Netzstrümpfen und roten Heels ein Bierfass die Straße hoch rollst. Im Haar ein Plastik-Seegelschiff, jeden Fingernagel anders lackiert. Was ist dein Lieblingsoutfit?

Bunt.

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Normalerweise wird hier eher geknobelt oder Skat gespielt.

Der Seeteufel liegt direkt an der Elbchaussee, ziemlich schnieke Gegend. Wohin musst du nach Feierabend?

Nur über die Straße, direkt an der Rainvilleterrasse. Ich kann vom Scheißhaus auf die Elbe gucken.

Wie hast du das gemacht?

Hochgeschlafen (lacht). Ich hab’ hier auf der Margarinenseite angefangen und bin dann rüber auf die Butterseite zu meinem Mann gezogen. Er kam geschieden an meinen Tresen. Dann bin ich bei Nacht und Nebel bei ihm eingezogen. Jetzt kommt Muddi, hab’ ich damals gesagt. Oben und unten wohnen wir, in der Mitte seine Ex. Ist alles gut gegangen. Ex ist Ex, Muddi is’ jetzt.

In knapp 30 Jahren hattest du viele Hamburgerinnen und Hamburger an der Theke. Was weißt du ganz sicher über die Nordlichter?

Die Hamburger sind sehr speziell, aber auch sehr herzlich. Wenn man sie für sich gewonnen hat, lassen sie einen nicht mehr los.

Wieso heißt der Seeteufel Seeteufel?

Is’ das dein Ernst, dass du das Buch nicht gelesen hast? Und dann sitzt du hier noch? Felix Graf von Luckner, der Seefahrer und Schriftsteller. Ich hab’ noch eins aus der ersten Auflage. Er hat als Namensgeber höchstpersönlich eingewilligt. So Schatzi und nu’ mach hinne’ – Muddi hat noch was zu tun.

Evi, Danke für die Kniffelrunde und ahoi!

Mehr über Evi erfahrt ihr in der ersten Ausgabe des Hamburger Stadtmagazins „gentle rain“: www.gentlerainmag.com

Zum Seeteufel

www.seeteufel-hamburg.de
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