Unterwegs mit dem Hamburger Künstler Elmar Lause

Der Material-Fantast

Elmar Lause Titel

Elmar Lause stellt mit seiner Kunst das Gewohnte in Frage. Anstelle von ausschließlich konventionellen Leinwandarbeiten, setzt der Hamburger Künstler auf fantastisch-verrückte Material-Kombinationen und entlockt alten Dingen ein unerwartetes, neues Leben in Form von Kunstwerken. Unser Autor Rudolf Klöckner hat Elmar Lause getroffen, ist mit ihm durch die Sternschanze spaziert und am Ende in einem kleinen, versteckten Wunderland gelandet.

Autor

Rudolf Klöckner

Rudolf David Klöckner ist Kurator, Blogger und Autor aus Hamburg.

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Fotos: Roeler

Es regnet. Der Nieselregen tröpfelt leise auf den Bürgersteig – es ist nicht viel, es ist nicht wenig Wasser, das von oben kommt – es ist die Art von Regen, die es vor allem in Hamburg gibt. In dem Kaffeekontor in Hamburgs umtriebigen Schanzenviertel, in dem ich mit Elmar verabredet bin, sitzen bereits andere Leute, die nur darauf zu warten scheinen, bis der kurze Schauer vorüber ist. Ich bestelle einen Espresso an der alten Holztheke, bis ich Elmar entdecke, der bereits mit einem Kaffee in der Hand auf einem Platz direkt hinter der Schaufensterscheibe sitzt und das Treiben auf der Straße beobachtet.

Wir trinken unseren Kaffee und beobachten gemeinsam, wie die Menschen geschäftig über den Bürgersteig strömen, fast so, als würde es gar nicht regnen. Wir nutzen die Zeit, um uns zu unterhalten. Elmar erzählt wie er nach Hamburg gekommen ist. Ein Engagement am Theater hatte seinen Vater damals als Schauspieler von Bochum an die Elbe gebracht. Aus einer Spielzeit wurde eine neue Heimat. Er selbst ist in Hamburg aufgewachsen, hat nach der Schule Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) studiert und ist bis heute geblieben.

Wir machen uns auf den Weg zu unserem Spaziergang. Elmar steuert einen kleinen Laden im Erdgeschoss eines Altbaus an. Wir betreten den Laden und es wird sofort klar, dass die Kunst und das Urbane nicht erst seit kurzem Elmars große Leidenschaft sind. „Schnell noch ein bisschen Farbe kaufen“. Bei Underpressure gibt es bereits seit 20 Jahren alles aus dem Bereich Graffiti, HipHop und Urban Supply. Wer Sprühdosen, Caps, Sneaker oder Bücher über Urban Art sucht, kommt hier her.

Auch Elmar Lauses Kunst hat Wurzeln im Graffiti. Schon früh hat er für sich erkannt, dass der öffentliche Raum ein passendes Medium für sein künstlerisches Schaffen ist. Unterschiedliche urbane Elemente ziehen sich bis heute wie ein roter Faden durch seine Arbeiten. Dass die Stadt als Ausdrucksfläche so relevant für seine Kunst ist, liegt sicher auch an dem Einfluss des bekannten Pop-Art-Künstlers Dieter Glasmacher, bei dem Elmar im Studium gelernt hat. Der damalige HAW-Professor für Kommunikationsdesign hatte Ende der 1970er Jahre gemeinsam mit Werner Nöfer das erste Pop-Art-Gemälde Europas in Hamburg an die Wand gebracht. Das Wall Painting ist bis heute an der Fassade des bekannten Musikclubs „Grünspan“ in der Großen Freiheit auf St. Pauli zu sehen.

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Elmar hat Kommunikationsdesign an der HAW in Hamburg studiert - auch bei dem bekannten Pop-Art-Künstler Dieter Glasmacher.

Wir stehen mittlerweile in der Tornquiststraße im Stadtteil Eimsbüttel. Über uns ragt eine gigantische Supermario-Figur mit zwei Körpern in den Himmel. Gemalt hat Elmar Lause das 20 Meter hohe Wandbild „Supasupa“ als Teil des internationalen Kunstfestivals „Knotenpunkt“, das neben einer Urban-Art-Ausstellung jedes Jahr auch Kunst im öffentlichen Raum initiiert. „Bis heute freue ich mich jedes Mal, wenn ich an dem Bild vorbeifahre“ erzählt er. Wie in vielen seiner Arbeiten stellt Elmar das gewohnte Sehen auf den Kopf und lässt aus dem Bekannten etwas Unerwartetes für den Betrachter entstehen.

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Der öffentliche Raum ist das Medium für Elmars künstlerisches Schaffen.

Es beginnt wieder leicht zu nieseln und wir fahren weiter. Die Keimzelle von Elmars Kunst liegt in Bahrenfeld. Noch vor wenigen Jahren reihte sich hier ein Büro an das Nächste und die Mitarbeiter eines großen Warenhauses gingen ihrer täglichen Lohnarbeit nach. Heute gibt’s es hier Ateliers und Studios von über 30 Künstlern.

Elmar Lause Zitat Final

„Als Künstler gibt es keine Überstunden. Jede freie Zeit ist Arbeitszeit und die verbringe ich im Atelier“.

Wo sich bei anderen Künstlern Pinsel, Farbpaletten und Leinwände stapeln, sind die Regale in Elmar Lauses Atelier gefüllt mit einer skurrilen Sammlung aus Superhelden, Spielzeug- und Actionfiguren, Comics und alten Fotos: Ein wahres Wunderland, aus dessen umfangreichen Fundus der Künstler seine Werke schafft. Elmar Lause hat einen ganz speziellen Blick für Dinge. In seiner Kunst kombiniert er verschiedene Elemente, setzt materielle Fragmente und unterschiedliche Zeiten neu zusammen. So schafft er durch Kombinationen und Collagen eine fantastisch-verrückte Welt und entlockt mit seiner Kunst den Dingen ein unerwartetes, neues Leben. Und genau hier in diesem Wunderlang der fantastischen Dinge entstehen auch die Ideen und Vorlagen seiner Arbeiten, die später dann dem Stadtraum ein Stück neues Leben verleihen.

Mehr Kunst von Elmar gibt's hier
www.instagram.com/elmarlause

Elmar Lause Outro

Der Spaziergang mit Elmar

Kaffeekontor

Schanzenstraße 14
20357 Hamburg
https://www.kontorkaffee.com/

Grünspan

Große Freiheit 58
22767 Hamburg
http://www.gruenspan.de/

Supasupa – Wandbild in der Tornqviststraße

Tornquiststraße
20259 Hamburg

Bullerei

Lagerstraße 34b
20357 Hamburg
http://bullerei.com/

Affenfaust Galerie

Paul-Roosen-Straße 43
22767 Hamburg
https://www.affenfaust.org/